+49 (0) 661 9427731 buero@ute-straub.de

Die ersten Schritte zur Gründung und was dabei wichtig ist

Wenn du laufende Geschäftstätigkeit betreibst und deine Aktivitäten nicht nur einmalig sind, sondern wieder kehrend, dann solltest du diese Dinge für dich ordentlich klären.

Bist du freiberuflich oder gewerblich tätig?

Eine grundsätzliche Frage ist, ob du gewerblich oder freiberuflich tätig bist. Dazu muss man im Einkommensteuergesetz nach lesen, denn die Unterscheidung ist dort erläutert. Bist du gewerblich tätig, ist dein Gewerbe beim Gewerbeamt deiner Gemeinde oder Stadt anzumelden. Das kostet auch eine Gebühr, das gibt es leider nicht kostenfrei. Für die freiberufliche Tätigkeit reicht die Information und der Nachweis an das Finanzamt, spätestens mit der Erklärung deiner Einkünfte in der Einkommensteuererklärung.

Deine Tätigkeit hat die Absicht, Gewinne zu erzielen.

Wenn du Produkte verkaufst und dafür Provisionen erzielst, die du für dich behältst, dann ist das auch beim Verkauf innerhalb der Familie schon eine Gewinnerzielungsabsicht und damit gewerbliche Tätigkeit. Wenn du das beginnst, ist das sozusagen der Start deines Unternehmens. Damit ist auch die Anmeldepflicht da. Falls du es dir anders überlegst, ist das kein Problem, das Gewerbe später wieder abzumelden. Wenn du nicht weißt, wie du die anzumeldende Tätigkeit beschreibst, dann nimm Kontakt zu mir auf.

Was die Gewerbeanmeldung bzw. die Information an das Finanzamt bewirkt

Das Finanzamt ist bzw. wird von dem Gewerbeamt über deine Unternehmensgründung informiert und schickt dir einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, genau so heisst dieser auch. Da müssen nun Prognosen eingetragen werden und das Finanzamt möchte möglichst auch einen Businessplan beigefügt haben. Das ist jedoch nicht zwingend, vor allem wenn du erstmal nebenbei dein Unternehmen startest und anfangs noch nicht viele Umsätze und Geschäftstätigkeiten laufen.

Kleinunternehmerregelung nach § 19 Umsatzsteuergesetz

Viele starten als Kleinunternehmer und das macht in vielen Fällen auch Sinn. Du hast anfangs nichts mit der Umsatzsteuer zu tun, braucht keine Meldungen dazu erstellen und hast es etwas einfacher. Ob das für dich Sinn macht oder eher nicht, kann dir nur ein Gründercoach oder Steuerberater beantworten.

Bist du Einzelunternehmer?

Wenn du allein tätig bist und rechtlich auch allein als Unternehmer auftrittst, dann startest du als Einzelunternehmer. Du kannst später immer noch andere Gesellschaftsformen wählen. Diese sind jedoch für den Jahresabschluss komplizierter und du brauchst dann vielleicht einen Steuerberater dafür. Wenn du deine Buchhaltung erstmal selbst machst, bist du als Einzelunternehmer gut aufgestellt. In diesem Blog gehe ich zunächst nicht auf andere Gesellschaftsformen ein.

Du hast einen Hauptberuf und bist im Nebenerwerb selbständig.

In diesem Fall hast du als Arbeitnehmer gegenüber deinem Chef Pflichten einzuhalten:

  • Du bist verplichtet, deinen Arbeitgeber über deine Unternehmenstätigkeit zu informieren.
  • Du darfst deinem Arbeitgeber keine Konkurrenz machen.
  • Deine Unternehmenstätigkeit darf deine Arbeitsleistung nicht beeinträchtigen. Also unausgeschlafen zur Arbeit erscheinen, das geht gar nicht!
  • Während deiner Arbeitszeit die Kollegen anbaggern, um ihnen Produkte zu verkaufen, könnte vielleicht auch ungünstig sein.

Wenn das alles passt, wird dein Arbeitgeber nichts dagegen haben.

Du bist arbeitslos und im Nebenerwerb selbständig

Das ist möglich, es gibt dabei einiges zu beachten. Hier ohne Gewähr der Vollständigkeit, am besten ist es, bei der Arbeitsagentur die aktuellen Infohefte zu besorgen und das zutreffende aufmerksam nach zu lesen. Du möchtest ja den Bezug deines Arbeitslosengeldes nicht aufs Spiel setzen.

  • Du bist verpflichtet, jede Art der Selbständigkeit bei der Arbeitsagentur zu melden.
  • Du darfst 165 € dazu verdienen ohne Abzug, dieser Betrag ist berechnet aus dem Überschuss, wenn du eine Aufrechnung erstellt hast, die auch die Kosten mit berücksichtigt. Einnahmen abzüglich Ausgaben ergibt den Überschuss, also Gewinn oder Verlust. Wenn du über den Betrag kommst mit deinem Gewinn, dann errechnet die Arbeitsagentur, was du angerechnet bekommst und wieviel du behalten darfst.
  • Du darfst keine 15 Wochenstunden arbeiten in deiner Selbständigkeit, also höchstens 14,99 Stunden jede Woche. Sonst bist du nicht mehr vermittelbar für den Arbeitsmarkt.
  • Unter bestimmten Voraussetzungen kannst du einen Gründungszuschuss von der Arbeitsagentur erhalten, dazu bitte auch die aktuellen Hefte durch lesen, die es immer dazu gibt.

Beziehst du ALG II (Hartz IV) und machst dich selbständig, dann gelten wieder andere Regeln

Auch hier gilt, keine Gewähr für Aktualität (ich bemühe mich aber, die Infos auf dem Laufenden zu halten).

  • Die Hinzuverdienstgrenze ist gestaffelt. Die ersten 100 € werden dir nicht angerechnet.
  • Zwischen 100 € und 1.000 € Gewinn werden dir 80 % auf das ALG II angerechnet.
  • Bei über 1.000 € Gewinn werden 90 % auf das ALG II angerechnet.
  • Andere Einkünfte, z. B. auch Minijobs, werden ebenfalls in die Berechnung einbezogen.
  • Nicht alle Betriebsausgaben werden vom Amt anerkannt, auch wenn das Finanzamt diese als Betriebsausgabe akzeptiert.
  • Den Sachbearbeiter informieren und mit einbeziehen hilft, eine „Bauchlandung“ wegen falsch gesehenen Fakten zu vermeiden.
  • Beziehe deinen Gründercoach in die Überlegungen und Strategien mit ein.

Weitere Besonderheiten, die auch besondere Regelungen haben

Für die nachfolgenden besonderen Lebenssituationen habe ich Regelungen nicht hier aufgelistet. Wenn du Fragen dazu hast, melde ich bei mir, dann finden wir gemeinsam die richtigen Antworten für deine Situation.

  • Soziale Grundsicherung
  • Altersteilzeit
  • Witwen-, Waisenrente
  • Rente wegen verminderter Erwerbstätigkeit
  • Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung oder Berufsunfähigkeit
  • Rente wegen voller Erwerbsminderung oder Berufsunfähigkeit
  • Altersrente
  • Ausländer
  • Mutterschutz
  • Elterngeld

Was macht deine Krankenversicherung daraus?

Wenn du privat krankenversichert bist, dann hast du in jüngeren Jahren vermutlich sehr günstige Beiträge. Allerdings kannst du später nicht so einfach wieder in die gesetzliche Krankenversicherung zurück gehen. Viele schrecken die in höherem Alter auch steigenden Beiträge. Was da eine günstige Regelung ist, das kann man nicht pauschal beantworten. Beachte bitte, dass dies auch hier immer eine Betrachtung der gesamten persönlichen Situation ist und nur in dieser Gesamtschau du auch deine für dich richtige Lösung finden kannst.

Bist du gesetzlich krankenversichert, dann wird deine Krankenkasse deine gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit berechnen. Dazu zählen alle dir zur Verfügung stehenden Geldmittel, die du für deinen Lebensunterhalt zur Verfügung hast oder die du dafür verwenden könntest. Zunächst wird der Einkommensteuerbescheid heran gezogen. Das heißt nicht, daß die Tatsache der Besteuerung gleichzeitig für die Krankenkasse zum Beitrag erheben gilt. Allerdings nimmt die Krankenkasse  „geeignete Unterlagen“ zur Berechnung. Für Selbständige gibt es eine Mindestbemessungsgrundlage (die Bei Beziehern von Exiistenz-Gründungszuschusses noch reduziert wird) und die Beitragsbemessungsgrenze.

Später gilt es aufzupassen, falls du mal einen Umsatzeinbruch hast, dass deine gesetzliche Krankenkasse den Beitrag auch wieder herunter stuft. Dazu mußt du 25 % Umsatzeinbruch nach weisen und gleichzeitig auch einen Antrag auf Herabsetzung von Einkommensteuer-Vorauszahlungen beim Finanzamt stellen. Ohne diesen parallelen Antrag gilt dies nämlich bei der Krankenkasse nicht. Das kann schon mal etwas kompliziert werden dann.

 

(Nach den gesetzlichen Bestimmungen ist das hier keine Steuer- und Rechtsberatung. Keine Gewähr für Aktualität.)